Einen kommunikativen Supergau retten
Was passiert, wenn eine Firma heikle Entscheidungen zuerst abstreitet und die Wahrheit später rauskommt? Andreas Schneider gibt Einblick in die Praxis, erklärt, wie man einen kommunikativen Supergau retten kann und warum ehrliche, schnelle Information intern wie extern entscheidend ist. Ein Interview fürs Archiv und fürs nächste Krisenmeeting.

Was war der gravierendste Kommunikationsfehler, den du als Berater erlebt hast?
Andreas: Bei einer Fluggesellschaft gab es einmal eine heikle Situation: Man wusste intern, dass gewisse Routen gestrichen werden müssen, wollte das aber gegenüber den Medien zuerst dementieren. Als die Fakten später trotzdem ans Licht kamen, war der Vertrauensverlust enorm. Statt das Thema zu erklären, wurde abgeblockt und spekuliert. Das hat alles nur verschlimmert.
Was wäre hier der richtige Weg gewesen?
Wenn man weiss, dass etwas passieren wird, muss man dazu stehen. Nur so kann man die «Blutung stoppen». Wegducken führt immer zu grösserem Schaden – gerade medienseitig. Es wird dann weiter recherchiert, um Weiteres herauszufinden.
Kann man einen kommunikativen Supergau überhaupt retten?
Ja. Aber dann muss man konsequent Transparenz herstellen: klare Aussagen, Verantwortung übernehmen, Fakten auf den Tisch legen. Je nach Tragweite heisst das Hintergrundgespräche mit Journalisten, eine Medienkonferenz oder die Einbindung der Geschäftsleitung bis hin zum Verwaltungsrat. Halbherzige Kommunikation bringt dann gar nichts.
Gilt das nur für Medien oder auch intern?
Gerade intern! Wenn Mitarbeitende spüren, dass etwas ansteht, entstehen Gerüchte, Unsicherheit und Produktivitätseinbussen. Bei Restrukturierungen oder Übernahmen braucht es klare Informationen, regelmässige Updates und Perspektiven für die Mitarbeitenden. Ansonsten werden rasch Alternativen gesucht.
Warum ist die Kommunikationskultur für den Unternehmenserfolg so entscheidend?
Kommunikation transportiert die Markenbotschaft und prägt das Betriebsklima. Wer transparent und zeitnah informiert, schafft Vertrauen – bei Kunden, Medien und Mitarbeitenden.
Wie bleibt man ehrlich und transparent, ohne Unsicherheiten zu verstärken?
Man kommuniziert das, was man zum jeweiligen Zeitpunkt weiss – nicht mehr, nicht weniger. Transparent heisst nicht, alles jederzeit zu sagen, sondern zielgruppengerecht zu informieren. Möglichkeiten und Varianten zu kommunizieren kann sinnvoll sein, muss aber bewusst dosiert werden.
Und zum Schluss: Was können Unternehmen in der Kommunikation besser machen?
Gerade intern gilt: Die Mitarbeitenden müssen unmittelbar informiert werden, sollten sich herausfordernde Situationen abzeichnen. Die Geschwindigkeit ist hier entscheidend. Allzu oft denkt eine Geschäftsleitung, man könne noch zuwarten, es werde schon nichts passieren. Doch die Realität sieht anders aus: Mitarbeitende spüren, wenn etwas im Busch ist, und Gerüchte verbreiten sich rasch. Dann ist man gezwungen zu reagieren, was immer herausfordernder ist als agieren. Nur eine transparente, zeitnahe und ehrliche Kommunikation schafft Vertrauen.
Hast du ein Beispiel aus deiner eigenen Praxis, bei dem gute Kommunikation den Unterschied gemacht hat?
Bei einer Firmenübernahme haben wir früh und offen kommuniziert: Keine vagen Versprechen, klare Timings, welche Teams wie betroffen sind, welche Chancen entstehen, ob es Vertrags- oder Lohnanpassungen gibt. Ergebnis: Ein grosser Teil der Mitarbeitenden blieb an Bord und hat den Wandel aktiv unterstützt.

